Gedanken zum Sonntag... (Borussen)

verfasst von Elm(R) - 11.03.2018, 10:30:22

...tja, gestern wäre nochmal die Möglichkeit gewesen, mit einem Sieg in der BayArena, in der wir in den letzten Jahren ja öfters ganz gut aussahen, nochmal zum Angriff Richtung Platz 6 zu blasen. Was folgte war eine Enttäuschung, aber auch eine Bestätigung, dass Borussia in der aktuellen Konstellation nicht mehr ist als Mittelmaß und deshalb auch nicht mehr verdient hat. Die Saison kann man in der Tat getrost abhaken, auch wenn noch genügend Spiele ausstehen, in denen man auf dem Papier ordentlich punkten könnte. Aber den Glauben an eine Serie habe ich schon lange verloren, nicht erst seit gestern.

Wir können also nur froh sein, dass von unten kein Unheil droht und hoffen, dass im Sommer an den richtigen Stellschrauben gedreht wird. Und die Stellschrauben sind zahlreich:

Defensive: nominell eigenttlich gar nicht so übel, jedoch immer wieder mit krassen individuellen Fehlern behaftet. Wir werden ja nicht reihenweise schwindlig gespielt, aber den Gegnern reichen oftmals ein bis zwei guten Aktionen und der Ball ist drin. Es ist deutlich zu leicht, gegen uns Tore zu schießen. Deswegen spielen wir auch so selten zu Null, weil es gegen uns fast jeder Gegner hinkriegt, einzunetzen. Sollte Eberl keinen LV verpflichten, ist ihm nicht mehr zu helfen. Das muss kein Wunderspieler sein, ein Nico Schulz wäre ausreichend gewesen oder auch ein Oczipka von Schalke. Einfach was solides, denn Elvedi werden wir künftig für die rechte Seite brauchen, denn Oxford wird im Sommer sicherlich wieder verschwinden.

Offensive: unfassbar, wie harmlos wir geworden sind. Stindl außer Form, Hazard torgefährlich wie ne tote Katze, Raffael dauernd verletzt, Drmic zwischen Bank und Invalidität, Boba zwar engagiert, aber für unsere "Ansprüche" eigentlich ungeeignet, zudem keine Zukunftsoption. Da muss in der Tat die von Eberl angedeutete Neuaufstellung im Sturm her. Nur graut es mir schon vor der Umsetzung, wenn ich an Eberls Händchen bzgl. Stürmer denke. Andere Verein kriegen das besser hin. Burgstaller, Modeste, Finnbogasson, Haller, Gregoritsch, Füllkrug: man muss nicht unbedingt viel Geld in die Hand nehmen, um jemanden zu holen, der den Ball (im Gegensatz zu Toto Hazard) auch mal in eine Ecke schießen kann. Jedoch könnte ich jetzt aus dem Stand gar nicht sagen, welcher Stürmertyp an sich gebraucht wird. Und zwar deswegen, weil ich bis heute nicht erkennen kann, welche Spielidee Hecking verfolgt. Und damit sind wir auch schon bei...

Hecking: ich finde ihn immer noch symphatisch und seine Analysen absolut treffend. Aber Fakt ist, dass sich unser fußballerisches Niveau im Laufe des letzten Jahres peu á peu nahezu komplett verabschiedet hat. Es wird immer mehr Stückwerk, Einfallslosigkeit in der Offensive dominiert. Laufwege sind nicht abgestimmt, dadurch häufen sich Fehlpässe und Ballverluste. Wir spielen nach dem Prinzip "try and error", dass ist weder Fisch noch Fleisch, weder Konter- noch Ballbesitzfußball, weder "Tiki-taka" durch die Mitte noch konsquentes Spiel über die Flügel. Das ist einfach gar nix, planlos, hilflos, harmlos. Unsere geschossenen Tore sprechen eine deutliche Sprache, natürlich auch bedingt durch die katastrophale Chancenverwertung. Da kann man noch so oft auf alle möglichen Begleitumstände wir Verletzte, Spielglück, VAR oder was auch immer hinweisen. Der fußballerische Zerfall der Mannschaft ist allgegenwärtig. Auch wenn Eberl das scheinbar lieber totschweigt. Zudem ist bezeichnend, wie jeder Trainer uns mit einfachen taktischen Mitteln Schach Matt setzen kann. Einfach mal anlaufen, mal ein bisschen Überzahl im Mittelfeld schaffen, mal die Außen hoch decken - ganz egal. Wir sind in kürzester Zeit komplett hilflos und überfordert. Hecking sieht das zwar, kann der Mannschaft aber offenbar keine Lösungen an die Hand geben.

Eberl: er hat genau zwei Möglichkeiten. 1.: er bleibt in seiner Trotzhaltung, dass wir alle zu ungeduldig sind, zu hohe Erwartungen haben und das alles schon von selbst wieder wird. Er behält deshalb Hecking und wird Borussia dann im Herbst 2018 in der unteren Tabellenhälfte wiederfinden. 2.: er räumt seinen Laden endlich mal auf und spricht konsequent an, was schief läuft. Er sortiert Spieler aus, die sich als Ich-AG sehen. Er installiert im Sommer einen Trainer mit einer Spielidee, der Spieler besser macht, der der Mannschaft eine Handschrift verpasst.
Er alleine hat es in der Hand, die richtigen Schlüsse aus den letzten 1 1/2 Jahren zu ziehen. Wo will Borussia hin, was ist unser Ziel, unser Anspruch? Mit welcher Aggressivität, mit welcher Galligkeit verfolge ich das? Wo Borussia herkommt, braucht er uns nicht zu sagen. Wir waren hier fast alle mit Borussia dort...

Medizische Abteilung: wurde gestern auf Sky erstaunlich detailliert angesprochen, Hecking und Bonhof danach gefragt. Beide waren sehr dünnhäutig, verwiesen darauf, dass das Thema intern besprochen wird. Soweit verständlich. In diesem Bereich MUSS prioritär was passieren. Es kann nicht sein, dass pro Spiel im Schnitt 7 Spieler fehlen. Und diese mit Ausnahme von Strobl und Johnson allesamt mit Muskelverletzungen. Wie ist da die Trainingssteuerung? Wie die Regeneration? Wie der athletische Zustand? Verhalten sich die Spieler professionell genug? Wie ist die Kommunikation zwischen den medizischen Abteilungen? Warum brauchen die Spieler bei uns immer so lange, um wieder fit zu werden? Das muss ALLES auf den Prüfstand, denn mit einem solchen Verletztenstand kann kein Bundesligakader das aus sich rausholen, was in ihm drin wäre. Wir können heilfroh sein, diese Saison keine Dreifachbelastung gehabt zu haben. Die medizinsche Abteilung gibt ein erbärmliches Bild ab. Hier muss Eberl auf den Putz hauen und im Zweifel Köpfe rollen lassen.

Kommunikation nach Außen: tja, wir sind Borussia. Lieb, nett, Wohlfühloase halt. Wir beschweren uns nicht wegen Schiris, VAR und was weiß ich. Nur nicht anecken. Und auch bitte keine schlechte Stimmung aufkommen lassen. Daher halt hemmungsloses Schönreden vor jeder Kamera. Selbst Leute in meinem Freundeskreis, die nix mit Borussia im Hut haben, fällt auf, dass auch in soprtlichen Krisen alles schön geredet wird, wo andere Trainer, Sportdirektoren, Spieler schon längst vor der Kamere geplatzt wären. Ob das was bringt, sei dahingestellt. Aber es käme dann zumindest der Eindruck rüber, dass im Verein noch Feuer ist, bei Trainer, Spordirektor und Spielern. Jetzt hat man den Eindruck, dass man sich nicht aufregen und Ruhe behalten soll, weil alles andere ja nichts bringt. Druck rausnehmen, keine negativen Gedanken bitte, ja nicht zweifeln oder gar hinterfragen. Wird schon alles, macht Euch keine Sorgen! Man kann nur hoffen, dass intern anders kommuniziert wird. Wenn man aber sieht, wie oft von "Reaktionen, die die Mannschaft jetzt zeigen muss" gesprochen wird und man dann guckt, was danach wirklich kommt, habe ich da meine Zweifel.

Borussia im Frühjahr 2018: ein Verein am Scheideweg. Viel läuft schief, es gibt nicht nur das eine Problem oder den einen Schuldigen. Und das macht es so kompliziert. Es gibt so viel zu tun, dass ich leider die Befürchtung habe, dass wir auf lange Sicht vom Europacup-Kandidaten zur grauen Maus werden. Und wie kurz der Weg von der grauen Maus zum Abstiegskandidaten ist, wissen wir zu genau. Wir brauchen frischen Wind im Verein. Weniger Selbstgefälligkeit, mehr Feuer, Ambition, Lust auf sportliche Weiterentwicklung statt Verwaltung des Status Quo. Es muss eine Aufbruchstimmung her! Eberl ist für mich weiterhin unumstritten und der Baumeister der letzten Jahre. Aber wie schon oben geschrieben hat er es in der Hand, diese Aufbruchstimmung zu entfachen. Wenn er das Feuer, was wir brauchen, aber selbst nicht mehr spürt, muss er sich überlegen, ob er den Weg für jemanden frei macht, der was gestalten möchte. Ich bin mir aber sicher, dass Eberl 1000%ig für Borussia brennt und seinen Weg in MG noch lange nicht am Ende sieht. Ich verlange von ihm auch beileibe keinen blinden Aktionismus. Die Saison ist im Sack, noch 8 mal Zufallsgekicke. Aber im Sommer muss Eberl selbst seinen Allerwertesten hochkriegen, um nachher nicht das zu zerstören, was er selbst durch seine grandiose Arbeit aufgebaut hat. Und dabei muss er im Zweifel ohne Rücksicht auf Verluste vorgehen und die vorhandenen Probleme konsequent ansprechen und ausräumen. Daran wird er gemessen werden...

Schönen Sonntag Euch allen - trotz allem!
Elm

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Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt!

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