Ganz im Gegenteil (Borussen)

verfasst von Juke(R) - 29.01.2018, 09:26:34

Gerade weil die Schiedsrichter Menschen sind, ist die technische Hilfe alternativlos. Das Spiel ist in den letzten Jahrzehnten immer schneller geworden und für das menschliche Auge ist das überhaupt nicht mehr machbar, stets richtige Entscheidungen zu treffen. Bei vielen Situationen müssen die Schiedsrichter zwangsläufig "nach Gefühl" entscheiden, was ich für wenig erstrebenswert halte.

Es ist natürlich ein Armutszeugnis, wie der DFB das ganze umsetzt. Dass die z. B. jetzt erst auf die Idee kommen, dass die kalibrierten Abseitslinien - von denen sie vor Einführung des VAR oft genug geschwärmt haben - doch nicht ganz so akkurat sein sollen... in welchem Jahr leben wir eigentlich? Und das fällt denen nach einem Jahr Testphase und einem halben Jahr Praxistest erst auf?

Auch was den Umgang mit den Fans angeht, bin ich voll bei Dir. Das hatte ich im vorigen Posting aber schon angeführt. Der Stadionfan wird schön doof gehalten. Ich kann es voll verstehen, dass man im Stadion sauer wird auf die Technik, wenn man nicht weiß (und auch nicht erklärt bekommt), was da gerade vor sich geht. Und wenn dann noch Entscheidungen nach Minuten zurückgezogen werden. Das dauert alles viel zu lange und ist zu intransparent. Das ließe sich aber beheben, wenn man nur wollte. Man begrenze den VAR nur z. B. auf Situationen, die sich innerhalb einer bestimmten Zeitspanne aufklären lassen.

Dass die Schiris vom VAR beeinflusst werden, ist sicher richtig. Ob das aber zwingend negativ sein muss, darüber kann man streiten. Ich würde eher argumentieren, dass es ihm Sicherheit gibt, wenn er weiß, dass da noch eine Absicherung ist, die ihm die ganz großen Klöpse vom Hals hält. Allerdings braucht sowas natürlich Zeit zur Anpassung, die dem VAR aber von keiner Seite gegeben wird. Die emotionalen Fans suchen sich für vermeintliche Fehlentscheidungen ihren Sündenbock - das waren früher die Schiedsrichter, jetzt ist es der VAR. Zum Teil ist das gerechtfertigt. Zum Teil spielt da aber auch eine völlig überzogene Erwartungshaltung mit. Auch hinter dem Fernseher sitzen Menschen und auch die machen Fehler. Nur halt deutlich weniger, denn sie haben eine weit bessere Informationslage.

Natürlich kannst Du die offiziellen Zahlen des IFAB anzweifeln. Ich halte es aber für schwierig zu negieren, dass bessere Informationen eine bessere Entscheidungsqualität und damit weniger Fehler begründen. Es wird immer auch Situationen geben, in denen der VAR falscher liegt als der Feldschiri. Und natürlich wirkt sich das alles auch auf das Verhalten der Schiedsrichter aus. Aber netto wird das ganze selbstverständlich zu weniger Fehlern führen. Das ist theoretisch so und wird durch alle Feldstudien belegt. Ich bin der Überzeugung, dass noch viel viel mehr Fehler verhindert werden müssten. Es gab schon viele Entscheidungen, die der VAR unverständlicherweise nicht korrigiert hat. Aber das liegt dann halt an der Unfähigkeit der Schiris bzw. an der fragwürdigen Regelauslegung des DFB.

Ebenso halte ich es übrigens für verheerend, den VAR bei der WM einzusetzen, wo es - wie schon beim Confed-Cup - nur kurze Schulungen für die Schiris geben wird. Da werden viele Schiris bei sein, in deren Ligen es keinen VAR gibt. Und man sieht, wie schwer sich selbst der DFB nach 1 Jahr Test tut. Da kann man doch nicht guten Gewissens beim wichtigsten Turnier der Welt so einen Testballon starten.

Es gibt noch viel zu tun. FIFA und DFB machen sehr vieles falsch und deswegen ist die Verärgerung vieler Fans nachvollziehbar. Grundsätzlich ist das Instrument VAR aber gut und richtig. Es müsste nur besser genutzt werden. Ich fand die Gedanken von Tobias Escher im November sehr ordentlich unter https://spielverlagerung.de/2017/11...man-den-videobeweis-retten-kann/
Aber es gibt viele Möglichkeiten, wie man das Thema besser anpacken könnte und sollte als es leider Gottes getan wird.
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  • Ganz im Gegenteil - Juke - 29.01.2018, 09:26:34
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