Gefunden im Internetz (Borussen)

verfasst von CroatianSensation(R) - Oberhausen - 16.12.2017, 16:57:39

Sehr geehrter Herr Eberl,

als ich sechs Jahre alt war, nahm mein Großvater mich an die Hand und zeigte mir den Böckelberg. Sofort verliebte ich mich in das Stadion, in die Atmosphäre dort und auch in die Borussia. Er kaufte mir mein erstes Borussiatuch und fortan zog es mich mit den Jahren immer wieder an diesen Ort. Ich habe auf dem Böckelberg viel gelacht und auch geweint, genau so erging es mir dann später im Borussia Park, der neuen Heimat meiner Fohlenelf.
Bis zum heutigen Tag bin ich nun also stolze Besitzerin einer Dauerkarte für die Nordkurve, Vereinsmitglied und wenn ich an die Borussia denke, denke ich nicht nur an die schönste Nebensache der Welt – den Fußball, sondern auch an tolle Erinnerungen und Menschen die mir viel bedeuten und mit denen ich von Woche zu Woche in den Park oder quer durch Deutschland bzw. Europa toure, um mir die Spiele anzuschauen – und ich fahre wirklich zu allen Spielen, so wie viele tausende anderen Fans auch.
Zurecht unglücklich und auch sauer und wütend bin ich nun nach dem Spiel gegen den HSV am 15.12.2017, da ich nach eben diesem von Ihnen – wie viele andere Fans auch – als „Arschloch“ bezeichnet wurde, da auch ich Unmut über die Spielweise des Teams geäußert habe.
Und bevor Sie nun alle Fans weiterhin als eben diese beschimpfen, würde ich gerne mal unsere Sicht erläutern und auch, warum denn dieser Unmut während des Spiel geäußert wurde. Keinesfalls ging es dabei um die Kritik an einem Youngster, der einen Fehlpass gespielt hat. (Nebenbei bemerkt waren sowohl Michael Cuisance, als auch Reece Oxford hervorragend auf der Doppel-6 an diesem Abend). Den Fans missfiel dagegen die Einstellung und der fehlende Kampfgeist der Mannschaft, der nicht nur gestern Abend zeitweise schlichtweg abhanden gekommen war.
Nach dem 1:0-Treffer von Hazard – ein Traumtor – ließ die Mannschaft sich hängen, viel mehr Fehler als nötig passierten, kaum Zweikämpfe waren zu sehen. Dem Spiel fehlte plötzlich jeglicher Biss, so, als wolle man sagen: nun führen wir ja, das reicht. Und genau das ärgert die Fans. Es geht nicht darum, wie Sie sagen, dass man 90 Minuten lang besten Powerfußball wie bei Bayern spielen muss, oder dass alles perfekt ist. Uns ärgert die mangelnde Bereitschaft, sich sprichwörtlich den Hintern aufzureißen und zu kämpfen. Natürlich kann man verlieren und ja, es kann auch mal einen schlechten Tag geben, an dem nichts passt. Aber auch untergehen sollte man in Würde und mit Kampfgeist. Man sollte doch immer sein Bestes gegeben haben.
Wir Fans sind keine Trainer und maßen uns auch nicht an, die Entscheidungen des Trainerteams anzufechten oder Ratschläge zu erteilen. Aber auffällig ist es schon, dass seit Wochen einiges nicht rundläuft, dass einige Spieler nicht mehr die nötige Leistung und Bereitschaft zeigen. Oft bekommen wir viele Fehlpässe, fehlendes Zweikampfverhalten und Ideenlosigkeit präsentiert. Da fragen wir Fans uns, ob das im Trainer- und Vereinsstab nicht gesehen wird. Oder sind 54.000 blind, schwer von Begriff? Würde mich nicht wundern, wenn Sie uns dies auch vorwerfen.
Ich gebe Ihnen Recht: Pfiffe gegenüber der eignen Mannschaft im Stadion sind unangebracht und ja, auch kontraproduktiv. Aber als freier Mensch darf und möchte ich meine Meinung sagen. Und dazu gehört auch, eben jenen Unmut zu äußern, der bei mir während der Spiele der letzten Wochen aufkam. Wenn ich dann aber, und andere Fans auch, als „Arschloch“ beleidigt werde und mir sagen lassen muss, ich soll zum FC Bayern München gehen, dann macht mich das wütend. Denn gerade der Sportdirektor, ein angesehener Mann im Verein, der diesen auch nach außen hin präsentiert und dem wir vertrauen, dass er dem Verein immer das Beste ermöglicht, in dem er neue Talente findet und diese zur Borussia holt, einem Mann, dem nach eignen Aussagen der Verein am Herzen liegt (er hätte ja sonst auch selber zum FC Bayern München gehen können), eben jeder Mann auf dieser Position sollte doch so viel Anstand besitzen, nicht in aller Öffentlichkeit den Pulsschlag des Stadions – die Fans – zu beleidigen, sondern vielleicht einmal den richtigen Kontakt mit ihnen zu suchen, einen Austausch möglich zu machen, sich anzuhören – auf ganz sachlicher Ebene - warum es gerade im Park eher broddelt wie in einem Hexenkessel. Diese Entwicklung macht mir ernsthaft Sorgen und ich beobachte mit Bauchweh, wie Fanszene und Verein aufeinander losgehen (die Uneinigkeit im Fanlager selber ist eine andere Sache). Sollten Verein und Fans nicht vielmehr zueinander stehen, eine Einheit bilden und zeigen: WIR sind ein Team? So, wie es das wundervolle Foto aus Berlin mit der Mannschaft vor der Kurve zeigt?
Viele Fans reisen quer durchs Land, investieren viel Zeit und Geld, um sich die Borussia live anzuschauen, diese zu unterstützen und mit ihnen zu jubeln. Keiner erwartet den Meistertitel, keiner ist dagegen, Youngstern eine Chance zu geben. Wir erwarten einfach nur eine gesunde Einstellung und Kampfgeist. Und wenn das stimmt, dann stimmt auch wieder unser Lied: ach, komme doch, was wolle, wir werden immer zu dir stehn.
Ich bitte Sie also zu überdenken, wie Sie die Fans der Borussia betiteln. Denn ohne uns Fans wäre es im Stadion sehr leise und (gemein gesagt) die Bierhähne dann auch voll, die Kassen leer. Wenn das der Sinn der Sache sein soll – ok. Aber ich kann es mir nicht vorstellen.
Am Ende des Abends waren die drei Punkte auf dem Konto der Borussia und wir Fans in der Nordkuve haben die Mannschaft gefeiert.
In diesem Sinne hoffen wir nun alle auf einen spannenden und erfolgreichen Pokalfight am kommenden Mittwoch und eine schöne und erholsame
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